Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.

Inhalt

Eine Meditation zur Karwoche

Du hast um unsere Hände gebeten,
damit Du sie für Deine Sachen nutzen kannst.
Wir gaben sie Dir nur für einen kurzen Augenblick –
und zogen sie dann zurück,
denn der Auftrag war uns zu schwer.

Du hast um unseren Mund gebeten,
um gegen die Ungerechtigkeit zu protestieren.
Wir waren nur zu einem Flüstern bereit,
damit man uns nicht anklagt.

Du hast um unsere Augen gebeten,
um die Qual der Armut wahrzunehmen.
Aber wir haben sie geschlossen,
weil wir das nicht sehen wollten.

Du hast um unser Leben gebeten,
damit Du Dein Werk durch uns tun kannst.
Aber wir haben Dir nur einen ganz kleinen Teil
zur Verfügung gestellt,
damit wir nicht zu sehr beansprucht werden.

Vergib uns unsere beschränkten Versuche, Dir zu dienen:
nur wenn es ohne Mühe möglich war, es zu tun;
nur an Orten, an denen es harmlos war, es zu tun;
und nur mit denen zusammen,
die es leicht machen, Dir zu dienen.

VATER,
vergib uns,
erneuere uns,
sende uns aus
als brauchbare Instrumente,
damit wir den Sinn Deines Kreuzes begreifen.

Aus Südafrika

Kreuzweg

Massai-Frauen aus Handeni/Tansania haben die Bilder des Kreuzweges mit Perlen auf Ziegenleder gestickt. Sie möchten uns mitnehmen in einer Weggemeinschaft im Zeichen des Kreuzes. Anders als der uns bekannte Kreuzweg endet er nicht mit der Grablegung, sondern mit Pfingsten.

Denn der Kreuzweg ist ein Heilsweg. Das Kreuz ist trotz allem Schweren lebensbejahend – es ist der Baum des Lebens. Diese Frohbotschaft spiegelt sich in den fünfzehn farbenfrohen und ausdrucksstarken Bildern dieses Kreuzweges.

Die Texte zu den meisten Stationen stammen von dem Theologen, Historiker und Künstler Engelbert Mveng SJ aus Kamerun. 1995 wurde Engelbert Mveng in Yaoundé unter bis heute ungeklärten Umständen brutal ermordet.

Die Bilder des Kreuzweges können Sie als Powerpoint-Präsentation bei Frau Roppelt bestellen .

Hinweis: Wenn Sie die Datei nicht anzeigen, sondern auf Ihrem Rechner speichern wollen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen "Ziel speichern unter...".

Download des Kreuzwegheftes (PDF, 1.51 MB)
Icon: PDF

Meditation zur Osterzeit

"Auferstehung mitten im Leben"

Der Mensch ist geschaffen um zu lieben, nicht um zu hassen und zu zerstören. Unser Leben und unsere Geschichte ist von Todeserfahrungen durchkreuzt. Doch wir leben aus der Hoffnung des Anfangs, aus den Erfahrungen der Auferstehung mitten in unserem Leben.

Ich bin mir gewiss: Jahwe ist der Ursprung allen Lebens. Er schuf das Universum. Die Meere und die Kontinente. Die Galaxien, die Sonnen- und Kernenergie. Die Menschen, Tiere und Pflanzen. Alles hat in ihm seinen Ursprung und Bestand. Ein unsichtbarer Lebensstrom erfüllt alles. Auch ich selber fühle mich von ihm erfasst und getragen.

Dich, Herr, preist die ganze Schöpfung. Männern und Frauen, Kindern und Alten aus allen Stämmen, Rassen, Nationen, Kulturen sind Spuren deiner Ordnung, Logik, Intelligenz, Weisheit erschlossen. Du selber bist Schönheit, Liebe, Beziehung, Leben.

Doch die Menschen aller Zeiten erzählen nicht nur von Leben und Glück: Oft hast du dein Antlitz verdunkelt, Herr. Tief eingegraben in das Gedächtnis der Menschheit sind die Etappen und Stationen eines Kreuzwegs, den Jesus mit ihr geht: Denn da sind die unzähligen scheinbar sinnlosen großen und kleinen Tode unzähliger Menschen aller Zeiten. Die Traurigkeit derer, die niemand mehr tröstet. Die Schreie der Gefolterten. Die leeren Blicke der Hungernden und am Leben Verzweifelnden. Die anonymen Opfer aller Katastrophen und Kriege. Die Spuren der Verwüstung und der Plünderung unseres Planeten.

Die gesamte Schöpfung seufzt und ist voller Erwartung. Obwohl aus deiner Kraft und Liebe geschaffen, ist sie, wie unser Herr Jesus Christus, auf dem Weg zur Vollendung. Die gesamte Materie, Elementarteilchen, Licht, genetische Codes, alles entwickelt sich nach deinem geheimen Plan, strebt dem Punkt Omega zu, dem neuen Himmel, der neuen Erde, dem Menschen, der in Wahrheit dein vollkommenes Abbild und Gleichnis ist.

Mit den unzähligen Menschen aller Epochen, Kulturen, Religionen glaube ich fest: Jesus ist vom Tod erstanden. Das Weizenkorn hat das Erdreich durchbrochen und bringt Frucht. Die Schöpfung ist auf dem Weg des Lebens und nicht der Zerstörung. Der Mensch ist geschaffen um zu lieben, nicht um zu hassen und zu zerstören. Unser Leben und unsere Geschichte ist von Todeserfahrungen durchkreuzt. Doch wir leben aus der Hoffnung des Anfangs, aus den Erfahrungen der Auferstehung mitten in unserem Leben.

Die Auferstehung Jesu ist kein fernes Geschehen. Sie verändert auch heute die Welt. Ich sehe sie geschehen, wo Menschen Frieden stiften, wenn Streit und Krieg ist. Wo Menschen dem Hass die Liebe entgegensetzen, der Gewalt die Gewaltlosigkeit, dem Zynismus die Bereitschaft für neue Horizonte, auch jenseits aller bisherigen Erfahrungen.

Auferstehung mitten im Leben: Ich vertraue guten Erwartungen, meinen eigenen und denen meiner Schwestern und Brüder, mehr als allen schlechten Erfahrungen. Das Leben auf Gott hin bleibt stärker als der Tod.


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