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Hilfe für Aids-Waisen und schutzlose Kinder
Unter Anleitung von „Erinnerungshelfern“ werden Familienmitglieder in von Aids betroffenen Gemeinschaften dazu ermutigt, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Die Erinnerungen der Familien werden in „memory boxes“ aufbewahrt, die die Geschichten der verstorbenen Eltern ebenso enthalten wie verschiedene dazugehörige Gegenstände. Die Arbeit an den „memory boxes“ bietet vielen Familien zum ersten Mal eine Chance, miteinander über HIV/Aids zu reden.
Die Erinnerungen der Familien werden in „memory boxes“ aufbewahrt, die die Geschichten der verstorbenen Eltern ebenso enthalten wie verschiedene dazugehörige Gegenstände. Die Arbeit an den „memory boxes“ bietet vielen Familien zum ersten Mal eine Chance, miteinander über HIV/Aids zu reden.
Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist es in der Provinz Kwa Zulu Natal keine Ausnahme mehr, Familien zu begegnen, die innerhalb eines Jahres zwei, drei oder mehr Mitglieder durch HIV/AIDS verloren haben. Kwa Zulu Natal ist die am härtesten von HIV/AIDS betroffene Provinz Südafrikas. Landesweit wird nach aktuellen Untersuchungen von UNAIDS und WHO (2006/2007) davon ausgegangen, dass 18,8 % der Bevölkerung in der Altersgruppe von 15 bis 49 Jahren HIV positiv sind, das sind 5.500.000 Personen, bei einer Gesamtbevölkerung von 47,4 Mio. Ohne antiretrovirale Medikamente, die trotz prinzipieller Verfügbarkeit leider wegen mangelnder Infrastruktur an der Basis oft nicht zu haben sind, erliegen die infizierten Personen über kurz oder lang den opportunistischen Infektionen.
Nach den Schätzungen gab es 2006 in Südafrika 1.200.000 Aids-Waisen zwischen 0 und 17 Jahren. Aids-Waisen erleiden einen doppelten Verlust. Sie verlieren ihre Eltern und die existentielle Sicherheit, die ein von Eltern geführter Haushalt vermittelt. Sie isolieren sich zunehmend, besuchen die Verwandten nicht mehr wie zuvor, gehen wegen mangelnden Schulgeldes oder wegen der Stigmatisierung nicht mehr zur Schule und gehen ihren Altersgenossen aus dem Weg. Neben dem sozio-ökonomischen Gefüge der Familie wird die emotionale Stabilität des Kindes gestört. Oft weigern sich ihre neuen Bezugspersonen, in der Regel ältere, weibliche Verwandte, die nun an die Stelle der Eltern treten, mit ihnen über die Todesursache des verstorbenen Elternteiles zu sprechen. Während sich die Situation der Kinder verschlechtert, entwickeln sich Wut, Traurigkeit und Depression. Sie finden es schwer, ihre Gefühle auszudrücken, da die Ursache ihrer Probleme kaum benannt worden ist. Am Ende bleiben die Kinder allein in ihrer Trauer. Mit der Zeit beginnt die Erinnerung an die Eltern zu verblassen. Das führt zu einer inneren Verwirrung, die sie daran hindert, ihr volles Potenzial zu entfalten. Die traumatischen Auswirkungen eines Trauerfalles auf ein Kind sind weit gravierender, wenn dem Kind nicht geholfen wird, den Verlust zu verstehen und zu bewältigen.
Das „Memory Box Programme“ zielt darauf, die inhärente Bewältigungsfähikgeit (Resilienz) von Waisen und schutzlosen Kindern zu stärken. Im Kontext von HIV/AIDS versteht man darunter die Fähigkeit von Kindern, ihr volles Potenzial zu entwickeln, selbst wenn die Eltern krank sind oder sterben. Unter Anleitung der „Erinnerungshelfer“ (memory facilitators) des Programms, werden Familienmitglieder in von Aids betroffenen Gemeinschaften dazu ermutigt, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Die Erinnerungen der Familien werden in „memory boxes“ aufbewahrt, die die Geschichten der verstorbenen Eltern ebenso enthalten wie verschiedene dazugehörige Gegenstände. Die Arbeit an den memory boxes bietet vielen Familien zum ersten Mal eine Chance, miteinander über HIV/Aids zu reden. Sie ergreifen diese Möglichkeit, weil sie auf die Unterstützung des Programms zurückgreifen können und dort die notwendigen Hilfestellungen erhalten. Die Beziehungen der Familienangehörigen zueinander werden gestärkt. Sie können angemessener füreinander sorgen, den Abschied gestalten und den Verlust besser bewältigen. Darüber hinaus öffnet die gemeinsame Erinnerungsarbeit die Perspektive für eine Planung für die Zeit nach dem Tod der Eltern.
Das Sinomlando Zentrum tritt nicht als Trägerorganisation der Arbeit mit den Kindern und Familien auf. Es arbeitet mit säkularen und kirchlichen Gruppen und Organisationen, die in der Gemeinde/Gemeinschaft verwurzelt sind sowie mit staatlichen Strukturen, die an der Basis arbeiten (Krankenhäuser, Schulen etc.).
Die Zusammenarbeit umfasst vier Bereiche:
- Die Erstellung, Erprobung und Überarbeitung verschiedener Handbücher, die die Methodologie des Memory Box Programms in Englisch und Zulu darstellen,
- Schulung von Angestellten und Freiwilligen der Partnerorganisationen, die mit Waisen und schutzlosen Kindern arbeiten, um deren Resilienz zu stärken,
- Unterstützung der Angestellten und Freiwilligen bei Besuchen betroffener Familien,
- Unterstützung der Organisationen beim Aufbau von Kindergruppen, die emotionale Unterstützung und „life skills“ im Rahmen des Memory Box Programms erhalten
Für die Arbeit mit den Basisorganisationen sind die Kursstrukturen gut entwickelt. In jedem der drei Jahre 2008 bis 2010 sind folgende Maßnahmen mit den lokalen Kooperationspartnern geplant:
- Sechzehn 4-tägige Memory Box Workshops mit einem follow up Tag für je 20 Teilnehmer/-innen, davon profitieren im Schnitt 100 Familien mit je 3 Kindern, d.h. 4.800 Kinder p.a.,
- zwölf Kinderfreizeitlager mit je 15 Kindern, d.h. 180 Kinder p.a.,
- ein zehnmonatiger Kurs zu „Erinnerungsarbeit und psycho-soziale Unterstützung“ für 10 Gemeindearbeiter/-innen, die dadurch qualifiziert werden, die unter a) genannten Workshops durchzuführen,
- ein oder zwei exposure Programme für Gemeindearbeiter/-innen aus anderen afrikanischen Ländern.
Hinzu kommen verschiedene Forschungs- und Publikationsvorhaben zur Weiterentwicklung und Dokumentation der Arbeit sowie die Erschließung neuer Kontakte, zum Beispiel zu anderen theologischen Ausbildungsstätten.
Immer, wenn du jemandem ein Lächeln schenkst,