Zwanzig Jahre tobte der Bürgerkrieg in Norduganda und zwang das Volk der Acholi zu Tausenden in Flüchtlingslager. Jetzt ist Frieden eingekehrt und die Menschen bauen ihre zerstörten Dörfer wieder auf. Aber die alten Wunden heilen nur langsam.
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Auf dem Weg zurück nach Hause
Eine Reportage von Christian Selbherr mit Fotos von Jörg Böthling
Die Strecke zwischen dem alten und dem neuen Leben legt Charles Olok meist mit seinem Fahrrad zurück. Zwei Stunden dauert es vom Flüchtlingslager Labuje bis nach Orima. So heißt sein Dorf, aus dem er kommt, und aus dem Charles vor Jahren floh, als nachts die LRA-Rebellen kamen. Und Orima ist auch der Ort, in dem der 31-Jährige bald wieder zu Hause sein möchte. Auf seinem Weg überholt er viele Fußgänger.
Es scheint, als sei das gesamte Land der Acholi in Nord-Uganda in Bewegung. Kilometerweit wandern die Menschen über rote Sandstraßen, in die eine wie die andere Richtung. Nach über zwanzig Jahren Krieg, nach jahrelangem Dasein im Flüchtlingslager, haben die wenigsten schon eine feste Bleibe gefunden. Die Camps, in denen noch vor kurzem bis zu zehntausend Menschen auf engstem Raum lebten, sollen bald verschwinden. Aber die alten Dörfer sind zerstört, der Wiederaufbau braucht Zeit.
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Warum hat Gott das zugelassen?
Und die Menschen müssen mit ihren Erinnerungen fertig werden. Jeder kennt hier die Geschichten des Krieges, die von Überfällen, Entführung, Vergewaltigung und Mord erzählen. „Die Menschen hier zweifeln an ihrem Gott. Sie fragen: Warum hat er das alles zugelassen?“, sagt Pater Isaak Adaku, der Leiter der Missionsstation in Kitgum. Er und seine Mitbrüder versuchen, den Flüchtlingen Mut zu machen. Sie sagen: „Wenigstens seid ihr noch am Leben, viele andere nicht“ und ermuntern sie zum Neuanfang.
Einen Neuanfang wagen
Charles Olok, der Fahrradfahrer, hat bereits damit begonnen. Gerade hat er für sich, seine Frau Scovia Acayo und die fünf kleinen Kinder ein neues Rundhaus in der alten Heimat gebaut. Ein Gestänge aus Bambus, stabile Lehmziegelwände und ein Dach aus getrocknetem Savannengras. Daneben hat Charles seine Felder wieder bepflanzt – zum ersten Mal seit langer Zeit.
Das Saatgut kam von einer Hilfsorganisation. „Ein Feld mit Erdnüssen wächst ganz gut“, sagt er. „Aber das zweite macht mir Sorgen.“ Um vieles muss er sich kümmern. Seine Mutter zum Beispiel. „Auch sie will zurück nach Hause“, sagt Charles. Aber das Land reicht nicht und die Pacht ist noch zu teuer. „Ich kämpfe und kämpfe. Jeden Tag“, sagt Charles.
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Eine Region, die dauernd in Bewegung scheint
Jahrelanger Wiederaufbau
Tatsächlich ist ja die Feldarbeit mühsam und das Leben in den verstreut liegenden Dörfern manchmal einsam. Treffen mit Nachbarn und Freunden, Spiele der Kinder, gemeinsame Feste, Gottesdienste –so vieles, was ein intaktes Dorfleben ausmacht, ist im Krieg verloren gegangen. Das bereitet Kirchenleuten wie Pater Isaak die größte Sorge. „Die Infrastruktur wird bald wieder aufgebaut sein. Aber bis die moralischen und psychischen Schäden behoben sind, dauert es noch eine ganze Generation“, fürchten sie. Ihre Hoffnungen ruhen auf Menschen wie Charles Olok, der sein Leben mutig in die Hand genommen hat und andere anspornt, es ihm gleich zu tun: „Wir sind jetzt an der Reihe. Es liegt an uns. Nicht an der Regierung oder sonst irgendwem.“
Immer, wenn du jemandem ein Lächeln schenkst,