Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.

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Gewehr im Anschlag

Fischerhafen in Conakry
© missio / Fritz Stark

Sie tauchen wie aus dem Nichts auf. Zuerst einer, dann zwei. Schließlich versperren uns sechs Soldaten den Weg – die Maschinenpistolen halten sie vor der Brust.

Beitrag von Claudia Haus (missio magazin)

Es ist, als wäre man ein Statist im falschen Film: Die Dunkelheit der Nacht über dem „Palais de Peuple”, dem Volkspalast in Conakry. Schwarze Schatten, Silhouetten schlafender Straßenkinder auf dem Boden, verfallene Marktstände, alte Kirmesbuden und ein ausgedientes Karussell.

Doch alles ist real: man spürt den Wind auf der Haut, man schmeckt den Sand in der Luft und riecht die Autoabgase der Stadt. Man hört den ruhigen Atem der Schlafenden und die leise Musik aus dem Kofferradios.

In der Journalistenschule hat man uns gesagt: Nah dran sein – zu den Menschen hin gehen, mit ihnen sprechen, sie bei ihrer Arbeit begleiten, und selbst erleben, worüber man schreibt.

Und nun sind wir ganz nah dran. Einer der Soldaten, ein Hüne mit finsterem Gesicht, allem Anschein nach der ranghöchste Offizier, tritt vor. Mit rauchiger strenger Stimme blafft er uns an. Er will uns gefangen nehmen.

Und das Gehirn versteht es nicht. Zu keiner Bewegung fähig lässt man alles über sich ergehen. Noch immer beherrscht das Gefühl, man habe sich versehentlich in einen falschen Traum verlaufen.

Unsere Situation ist ernst und wie ein Schlag trifft mich die Erkenntnis, dass wir uns nicht davon schleichen können, nicht das Drehbuch ändern. Es gibt keine Kleiderschranktür, durch die man raus oder rein kommt, wie beim König von Narnia.

Was tun? Freikaufen? Bestechen? Der Soldat wird richtig wütend. Er brüllt uns an, dann brüllt er seine Untergebenen an, wer uns auf den Platz gelassen habe und wer hier bestechlich sei.

Einige Monate nach unserer Reise – im September 2009 – werden diese Soldaten der guineischen Armee die Kritik von Oppositionellen gegen den guineische Machthaber Moussa Dadis Camara zum Anlass nehmen die eigenen Landsleute zu ermorden und demokratische Kräfte im Land zu zerschlagen.

Unser Begleiter zückt sein Handy und wählt eine Nummer. Dem Soldaten zugewandt sagt er, er kenne seinen Vorgesetzten. Ein Trick?? Wir schaffen es, heil aus der Situation raus zu kommen – ohne Gefängnis, ohne Schläge und ohne Bestechung. Erst abends, nach einem langen Tag in den Slums von Conakry, jeder Menge Fotos und Recherchearbeit, wird mir bewusst, welches Glück wir hatten.

Zur Reportage über Guinea "Die Nacht des Kinderfischers"geht es hier...


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"...anspruchsvolle, vor Ort recherchierte und von renommierten Fotografen bebilderte Reportagen vorwiegend aus der Dritten Welt, wie sie sonst allenfalls Geo oder Stern veröffentlichen."

Stefan Bottler, "W&V Werben & Verkaufen", 11. Februar 2010

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