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Kap ohne Hoffnung
Südafrika fiebert der WM entgegen, die zum ersten Mal auf afrikanischem Boden stattfinden wird. Ein Fußball krönt den Fernsehturm, der Hillbrow, eines der Armenviertel Johannesburgs, überragt. Doch bei aller Vorfreude auf das Sportereignis geben südafrikanische Statistiken wenig Anlass zur Hoffnung.
Mit 50 Morden am Tag hat das Land eine der höchsten Mordraten der Welt. Die südafrikanische Polizei registriert rund 30.000 Vergewaltigungen pro Jahr – die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher. In den Slums fordert häusliche Gewalt die meisten Opfer, berichten Sozialarbeiter. In den Armenvierteln der Großstädte wie Hillbrow oder Alexandra sind Drogenhandel und nächtliche Schießereien an der Tagesordnung. Auf dem Schwarzmarkt kann ein Kalashnikov-Gewehr gegen eine Gebühr von etwa 40 Euro am Tag geliehen werden.
Für rund zwei Euro können selbst Kinder eine Pistole mieten. Dabei ist für Viele Kriminalität die einzige Einnahmequelle. Etwa 4,2 Millionen Südafrikaner leben von umgerechnet einem halben Euro am Tag. Die Arbeitslosenrate liegt bei rund 40 %. Unzählige Menschen wohnen in Bretterbaracken ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, Strom oder sanitären Anlagen. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche: Nach Angaben des Children´s Institute in Kapstadt leben 40 % der südafrikanischen Teenager unterhalb der Armutsgrenze. Straßenkindern bieten Gangs die Illusion von Schutz und ein Zugehörigkeitsgefühl, das sie oft zu Hause nicht finden.
Während die Regierung die Polizeipräsenz aufstockt und zum „Krieg gegen die Kriminellen“ aufruft, setzen Hilfsorganisationen auf Prävention durch Bildung und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche.
Fußball verbindet durch das gemeinsame Ziel; Erfolg und Misserfolg jedes Einzelnen liegen in Erfolg und Misserfolg des Ganzen.